Basel

Pollux

Mit blitzschnellem Card Juggling und verblüffender Daumenfesselung wurde der in Basel aufgewachsene Pollux seinerzeit einem internationalen Publikum zum Begriff. Während 35 Jahren stand er als Profi-Zauberer auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Heute ist er an ausgewählten Anlässen in seiner Heimatstadt zu sehen.

Als professioneller Zauberkünstler bist Du in den vergangenen Jahrzehnten auf der ganzen Welt herumgekommen. Warst Du auf allen Kontinenten zu Gast?

Ich war in Europa, Amerika, Asien und Afrika. Der fünfte Kontinent, Australien, fehlt mir noch in meiner Sammlung. Einmal hätte es beinahe geklappt mit einem Engagement dort, aber ich musste absagen, weil ich an einem anderen Ort bereits einen Vertrag unterschrieben hatte.

Welche Qualitäten muss ein Profi mitbringen, wenn er eine hochkarätige Zaubershow auf die Beine stellen will?

Er muss zuerst einmal Freude haben am Beruf. Und dann muss er unendliche Energie mitbringen. Der Wille zum Üben muss da sein. Am Anfang trainierst Du bis zu acht Stunden am Tag. Eine gewisse Sturheit im positiven Sinn ist ebenfalls wichtig. Als Zauberkünstler musst Du konsequent den eigenen Weg gehen und nicht links und nicht rechts schauen.

Wie und wo hast Du zu Beginn Deiner Karriere gearbeitet? Mit welchen Tricks hat es begonnen?

Meine Anfänge als professioneller Zauberer erlebte ich beim Circus Nock. Das war anno 1959. Das Spezielle an der Arbeit in der Manege ist, dass die Zuschauer rundherum sitzen und dass man für alle etwas bieten muss. Die tägliche Arbeit bei allen Bedingungen, das ergab eine Routine, die man nirgends  anders lernen kann als bei einem kleinen Circus. Gestartet habe ich mit ersten Karten-Jonglagen und mit eigenen Tricks aller Art. In den ersten Jahren habe ich auch ab und zu in Basel gearbeitet, unter anderem im Clara Variété.

Mit der Zeit hast Du eine ganz spezielle Nummer kreiert, das Card Juggling. Kannst Du uns berichten, wie Du das gemacht hast?

Die Nummer mit den Spielkarten, die ich mit dem Daumen nach vorne schnipple, habe ich schrittweise aufgebaut. Mit der Zeit habe ich das Ganze immer raffinierter ausgestaltet. Mit Schere und Zigarre baute ich dann zusätzliche Schwierigkeiten ein, die oft kopiert, doch nie erreicht wurden. Ich habe in meinem Leben viele Spielkarten verbraucht. Jedes Jahr bekam ich von der  Spielkartenfabrik Müller in Neuhausen 40 Kilogramm Spielkarten. Es waren Ausschusskarten mit Reklame auf der Rückseite. Wenn man diese Menge auf 25 Jahre berechnet, kommt man auf eine Tonne Spielkarten. Ich war insgesamt 35 Jahre als Profi unterwegs. Heute bin ich pensioniert und zaubere aus Freude. 

Pollux ist 1933 geboren und verdiente seine Brötchen zeitlebens als Zauberkünstler. In allen renommierten Variétés seiner Zeit ist er aufgetreten, auch im Magic Castle in Hollywood und im Wintergarten in Berlin. Mit Kartenjonglage und Daumenfesselung ist er berühmt geworden. Seine Shows präsentierte er entweder in Soloprogrammen oder an Galas – gemeinsam mit anderen berühmten Artisten. Heute noch präsentiert er ein schönes Unterhaltungsprogramm mit Spezialeffekten. Pollux wohnt im Kleinbasel. Er ist nach seinen Wanderjahren wieder an denjenigen Ort zurückgekehrt, wo er einst seine fulminante Karriere gestartet hatte. 

Was waren Deine denkwürdigsten Auftritte?

In den siebziger Jahren durfte ich einmal vor Chiang Kai-shek und seiner Entourage auftreten. Er und seine Soldateska waren alle gleich gekleidet – das war eine eindrückliche Geschichte mit diesem hohen chinesischen Würdenträger, der ja im chinesischen Bürgerkrieg einst Gegenspieler von Mao Zedong gewesen war. Das Programm an diesem Fest war fast durchwegs chinesisch. Für mich als Schweizer war es eine besondere Ehre, dort dabeizusein. Gut erinnern kann ich mich auch an das

Geburtstagsfest für den Kunstmaler Salvador Dali im Diner Spectacle «Tête de lard« in Paris. 120 Personen waren als geladene Gäste da. Sie bekamen ein grosses Programm mit internationalen Artisten geboten. An einen der Artisten erinnere ich mich noch gut, es war Zanini, der Sänger des Chansons «Tu veux ou tu veux pas«. 

Hast Du im Verlauf der Zeit auch witzige Geschichten erlebt?

Ja, in Afrika habe ich einmal etwas Lustiges erlebt. Meine Wochengagen aus den Engagements an der afrikanischen Ostküste habe ich in einem grossen Sack gesammelt, da ich vor Ort die Banknoten nicht in Schweizer Franken wechseln konnte. Diesen Sack habe ich dann im Hotel in Port Arthur deponiert und liegengelassen. Ich telefonierte der Hotel-Réception – man sagte mir, dass alles in Ordnung sei und dass der Sack per Post in die Schweiz nachgeschickt würde. Als ich heimkam, zeigte mir mein Vater diesen Sack – als Adresse stand folgendes drauf: POLLUX, ZÜRICH. Trotz dieser nicht ganz korrekten Adressangabe kam der Sack beim richtigen Empfänger an. In manchen Momenten muss man eben Glück haben.

Was war die gefährlichste Episode, die Du in fernen Ländern je erlebt hast?

Nicht gefährlich aber doch ziemlich ungewohnt war für mich der Flug mit dem Militärflugzeug über die Niger-Mündung, die rund 150 bis 200 Kilometer breit ist. Wenn man aufs Wasser hinunterschaut und weiss, dass dort zahlreiche Krokodile leben, dann ist das ein spannendes Gefühl....

Gibt es in der aktuellen internationalen Magier-Szene Leute, die Du zu den absolut weltbesten zählst?

Früher waren Fred Kaps und Tonny van Dommelen die grössten Magier. Heute sind die Asiaten top. Auch der aktuelle Weltmeister Hector Mancha hat unglaublich viel zu bieten. Erwähnen möchte ich auch einen Schweizer. Er heisst Pierric Thentorey und kommt aus Lausanne. Seine Show ist ebenfalls grosse Klasse.

Welche Zauberkünstler zählen von Dir aus gesehen auf dem Platz Basel derzeit zu den interessantesten Nachwuchsleuten?

Es gibt in der ganzen Schweiz vielversprechende junge Nachwuchsleute. Sie sind fingerfertig und werden ihren Weg machen, vielleicht auf eine etwas andere Art wie wir damals.

Interview Lukas Müller